Surprise-Wochen bei McDonalds

Der folgende Text ist aus ES NERVT! 2.0 - Humor ist, wenn man's trotzdem macht entnommen. Viel Spaß bei der Lektüre:

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Ja, ich stehe dazu. Ich esse hin und wieder gerne bei McDonalds. Nein, eigentlich nehme ich die dort feilgebotenen Lebensmittel am liebsten mit. Ich laufe auch kaum Gefahr, dass mein heißgeliebter Royal – ausschließlich in der „mit Käse“-Edition - bis zur Ankunft im trauten Heim erkaltet ist, denn die nächstgelegene Filiale der Burgerbraterei liegt bei wohlwollender Ampelschaltung nur gut zwei Autominuten entfernt. Ansonsten dauert es eine Minute länger.

Sie können sich also mein Entsetzen vorstellen, als McDoof vor einigen Jahren mein Lieblingsprodukt aus dem Sortiment genommen hat und es nur noch die „TS“-Variante gab. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen gesunde Ernährung und ich liebe grünen Salat, aber Tomaten gehen nur in Kombination mit Mozzarella, Basilikum und Balsamico. Oder, sofern frisch aus dem Garten, mit ordentlich Pfeffer drauf und ein bisschen vorgekühlt. Als warme, weiche, nässende und geschmacklose Burgerauflage sind mir diese Mutationen aus holländischer Zucht ein Gräuel. Punkt!

Zu meiner großen Beruhigung wurde der Royal dann nach kurzer Abstinenz auf der Anzeigetafel wieder eingeführt und parallel dazu auch eine monatelang währende, allerdings nicht medial kommunizierte Werbeaktion: die Surprise-Wochen.

Das Prinzip schien recht einfach am Drive-in-Schalter zur Anwendung gebracht. Als Kunde fuhr man an die Mikrophon-Säule, gab seine Bestellung auf und ließ sich dann überraschen, was der Trainee einem da in die Tüte gepackt hat. Oder besser gesagt: was nicht. Der Überraschungseffekt trat in den meisten Fällen allerdings erst im heimischen Gefilde auf, wenn man feststellte, dass zu den Chicken McNuggets die unbedingt notwendige Sauce fehlte, die große Portion Fritten zur kleinen degradiert wurde oder anstatt dem Käse doch die oben bereits erwähnte Tomate ihren Platz inmitten des Burgers gefunden hat.

Ich möchte dem Betreiber des Restaurants gar nicht unterstellen, dass er damit seinen Profit erhöhen wollte, eher lag es wohl an seinen Mitarbeitern, die noch vor Beginn ihrer ersten Deutschstunde an den Autoschalter geschickt wurden. Und ich will damit keinesfalls sagen, dass es mir missfällt, von Mitbürgern aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland bedient zu werden. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich in unserer angeblich gescheiterten Multi-Kulti Gesellschaft durchaus wohl. Nur so einen armen Kerl mit dem Telefonverkauf, etwas anderes ist es nicht, von Fast Food zu beauftragen, zeugt von einer gewissen Dummheit seitens des Chefs. So was läuft auf eine Lose-Lose-Lose-Situation hinaus:

Der Kunde verliert Geld oder Ware, der Chef seine Kunden, die – im Gegensatz zu mir – nach dem dritten Erlebnis gleicher Art beim nächsten Mal einfach zu Burger-King fahren und der migrationshintergründige Mitarbeiter ist über kurz oder lang seinen Job los.

Bei mir hat es rund 15 Versuche gedauert, bis ich mir eine Gegenmaßnahme ausgedacht habe, die zumindest auf meiner Seite zum Gewinn führt. Die Idee dazu kam mir bei einem Besuch meiner Bank, der ich die über Jahre gesammelten Mini-Münzen zur Einzahlung auf mein Konto überreichen wollte.

Bewaffnet mit einem mittelgroßen Beutel voller 1-, 2- und 5-Cent-Stücke, blickte ich ziemlich erstaunt in die Augen des Herrn an der Kasse. Er teilte mir nämlich mit, dass für die Einzahlung von Münzen in größerer Menge eine Gebühr von einem Cent berechnet werden müsste - pro Münze wohlbemerkt. Oder anders formuliert: die 1-Cent Münzen können sie direkt wegwerfen, für die 2er macht das 50% und die 5er werden um 20 Prozent entwertet. Das nenne ich Raubtierkapitalismus vom Allerfeinsten.

es nervt 2 coverSein Plan B war, dass ich die Münzen zu Hause, oder wo auch immer, in von ihm sogar kostenfrei zur Verfügung gestellte Papierchen einrolle und dann wiederkomme, wenn alles sauber verpackt ist. Gemessen am Zeitaufwand und der zu erzielenden Umtauschsumme von eventuell 20 Euro, käme das einer Komplettentsorgung des Metalls gleich und ich lehnte dankend ab. Die Kohle würde ich schon anderweitig unters Volk bringen. Ich wusste auch schon wo ...

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